Ort der Handlung: Haruns Palast in Kairo, 19. Jahrhundert.

In der Ferne erklingt der Chor der Nilschiffer, der die hereinbrechende Dämmerung ankündigt. Der reiche Haroun und sein alter Erzieher sowie Haushofmeister Splendiano unterhalten sich über die Frauen. Harun rühmt sein kaltes Herz, das ihn die weiblichen Reize geniessen lassen, ohne von Ihnen beherrscht zu werden. Splendiano hingegen hat sich in die soeben von Harun fortgeschickte Sklavin Djamileh verliebt. Da erscheint Djamileh wieder und erzählt von bedrückenden Träumen, Ausdruck ihrer Liebe zu Harun. Von diesem aufgefordert, ein Lied zu singen, gibt Sie in einer gleichnishaften Erzählung Ihrer Traurigkeit Ausdruck. Harun schenkt Ihr zum Abschied noch einen Schmuck, verlangt jedoch nach neuen Reizen, um seinem hedonistischen Lebensprinzip treu zu bleiben. Andere Sklavinnen werden vorgeführt und Almée versucht in einem Tanz, Aufmerksamkeit zu erregen. Von Ihrer Liebe zu Harun beseelt, gelingt es Djamileh, mit Splendiano eine Absprache zu treffen: Verkleidet will sie noch einmal bei Harun erscheinen, um sein Herz zu rühren. Misslingt Ihr Vorhaben, will sie Splendiano gehören. Verschleiert tanzt Sie vor Harun, der von Ihrer grazilen Schönheit betört ist. Er gesteht Ihr, dass er Ihre Vorgängerin (also Sie selbst) nur um seiner Freiheit willen fortgeschickt habe. Beim Lüften Ihres Schleiers erkennt Harun nicht nur Djamileh wieder, er erkennt auch, dass durch die Aufrichtigkeit Ihrer Liebe, Ihm seine eigene Liebesfähigkeit bewusst geworden ist. In einem Liebesduett klingt das Werk aus.

Kommentar
Das mit nur 3 Personen auskommende Libretto geht auf die Dichtung „Namouna“ (1832) des französischen Romantikers Alfred de Musset zurück und enthält mehrere poetische als dramatische Elemente. Das wohl gelungene, schöne Werk im wiederum exotischen Milieu verschwand schon nach 11 Aufführungen vom Spielplan und erfuhr herbe Kritik, die Bizet abermals des „Wagnerismus“ zieh. Doch war es ihm besonders in der reizvollen Gestalt des Djamile geglückt, die orientalischen Harmonien seinem eigenen Kompositionskonzept glaubwürdig zu integrieren. Ausdrucksvoll ist Djamilehs Lied über Ihre unerwiderte Liebe zu Harun in der östlichen Ghaselform mit wiederkehrenden Reimen; dramatisch packend ist Ihre erregte Klage und überzeugend wirk auch Ihr orientalischer Tanz.